Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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pflichtet, er war ihnen kein Fremder mehr, er ſelbſt hatte ſich als Vertrauter in ihre ſtillen Leiden eingedrängt. Sie dachte an das Zucken ſeines Mundes, an ſeine zuſammenge⸗ zogenen Augenbrauen, ſie hörte, wie er ſpottete über den Vater und über ſie. Keck war er in ihr Haus getreten und nach wenigen Tagen faßte er gleichgiltig wie im Scherz nach den Zügeln, um ihr Schickſal nach ſeinem Willen zu lenken. Seiner übermüthigen Laune ſollten ihre Eltern vielleicht die Rettung verdanken. Heut hatte ſie noch mit ihm, dem glän⸗ zenden Mann aus der großen Welt, ſcherzen können, er war ein Gaſt, mit dem man auf gleichem Fuß ſteht, wie ſollte ſie ihn anſehn von morgen ab? Von morgen war er ein großer Herr für ſie, und ihr Vater in Wahrheit ſein Untergebener. Ihr Stolz bäumte hoch auf gegen ſein Weſen, deſſen Macht ſte in dieſer Stunde ſo lebhaft fühlte; ſie nahm ſich vor, ihn mit Kälte zu behandeln; ſte grübelte über die Worte, die er zu ihr ſprechen könnte, und über ihre Antworten, und immer flog ihre Seele um das Bild des mächtigen Fremden, wie der aufgeſcheuchte Vogel um den Feind ſeines Neſtes.

„Und was wirſt du thun, Oscar?“ frug die Baro⸗ nin.

„Der Vater darf nicht annehmen,“ rief Lenore mit Energie.

„Und was iſt deine Meinung?“ ſprach der Freiherr zu ſeiner Frau gewandt.

„Wähle, was dich am erſten von dieſem Gute befreit, was die Sorge von dir nimmt, den Trübſinn, die Unſicher⸗ heit, die dich jede Stunde im Stillen quälen. Laß uns in die Ferne ziehn, wo die Leidenſchaften weniger häßlich ſind, weit