— 57—
auch mir in dieſen unruhigen Tagen mit einigem Recht nahe zu ſein. Gerade das, was Andern jetzt dieſe Gegend ver⸗ leidet, die Gefahr, das hat für ſein kühnes Herz viel Lo⸗ ckendes.“
„Und würde Ihnen nicht lieb ſein, den Freund hier zu behalten?“ frug die Baronin weiter.
„Ich habe dies bis heut noch nicht gehofft,“ erwiederte Anton.„In früherer Zeit war zuweilen meine Aufgabe, ihn von ſchnellen Entſchlüſſen zurückzuhalten, bei denen er um einer Laune willen Vieles auf das Spiel ſetzte.“
„Sie halten es alſo für vorſchnell,“ ſagte der Frei⸗ herr,„daß Ihr Freund mir einen ſolchen Antrag gemacht hat?“
„Sein Antrag iſt gewagt für ihn ſelbſt,“ antwortete Anton nachdrücklich,„und es iſt etwas darin, Herr Freiherr, was mir auch in Ihrem Intereſſe nicht gefällt, obgleich ich in Verlegenheit käme, wenn ich ausſprechen ſollte, was es iſt.“
„Wir danken Ihnen,“ ſagte der Freiherr,„und wollen Sie nicht weiter bemühen, die Sache hat ja keine Eile.“ An⸗ ton verbeugte ſich und verließ das Zimmer.“
Lenore ſtand ſchweigend am Fenſter, ein langer Blich folgte dem Abgehenden.„FIch kann nicht ausſprechen, was es iſt,“ wiederholte ſie Antons letzte Worte, und ein Heer von ängſtlichen Bildern und Ahnungen flog durch ihre Seele. Sie zürnte der Schwäche ihres Vaters, ſie war empört über Fink, der es wagte, ihnen Wohlthaten anzubieten. Ob der Vater annahm, ob er ablehnte, ihr Aller Verhältniß zu dem Gaſt war ein anderes geworden. Sie waren ihm ver⸗
*


