Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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auf ihre Tochter, aber Lenorens Augen waren ſo groß auf den Vater gerichtet, daß die Mutter ſich wieder beruhigte.

„Und was glaubt Ihr wohl, hat den Herrn aus der Fremde hierher geführt?“ fuhr der Freiherr fort. Die Frauen ſchwiegen. Lenore ſchüttelte den Kopf; endlich ſagte ſie:„Vater, Herr von Fink iſt von alter Zeit mit Wohlfart eng befreundet, ſte haben einander ſeit meh rern Jahren nicht geſehen. Es iſt ſo natürlich, daß Fink eine flüchtige Bekanntſchaft mit dir benützt, um einige Wochen bei ſeinem nächſten Freunde zuzubringen. Wozu wollen wir einen andern Grund für ſeine Anweſenheit ſuchen?“

„Du ſprichſt, wie die Jugend ſolche Verhältniſſe auffaßt. Die Menſchen werden weniger durch ideale Empfindungen und mehr durch Eigennutz regiert, als deine junge Weis⸗ heit annimmt.“

„Eigennutz?“ frug die Baronin.

„Was iſt dabei zu verwundern?“ fuhr der Freiherr iro⸗ niſch fort;„beide ſind Kaufleute, Fink hat auch ſo viel von den Reizen des Handels kennen gelernt, daß er nicht um⸗ hin kann, ein gutes Geſchäft zu machen, wo ſich eine Ge⸗ legenheit dazu findet. Ich will Euch ſagen, wie er herge⸗ kommen iſt. Unſer vortrefflicher Wohlfart hat ihm geſchrie⸗ ben: Hier iſt ein Gut, und dieſes Gut hat einen Herrn, der gegenwärtig verhindert iſt, die Wirthſchaft ſelbſt zu über⸗ ſehen. Es iſt ein Geſchäft hier zu machen, du haſt Geld, komm her. Ich bin dein Freund, es wird wohl etwas für mich abfallen.“

Die Baronin ſah ſtarr auf ihren Gemahl, Lenore aber ſprang auf und rief mit der Energie eines tiefgekränkten

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