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ſein Weſen nach, aber ſte war redſelig geworden, wie lange nicht. Sie begleitete die Mutter in das Schlafzimmer, ſetzte ſich noch auf eine Fußbank neben das Bett der Ermüdeten und fing luſtig an zu plaudern, nicht von dem Gaſt, aber von Vielem, was ſie ſonſt intereſſirte, bis die Mutter ihre Stirn küßte und ihr ſagte:„Jetzt iſt es genug, mein Kind geh zu Bett und träume nicht.“
Fink ſtreckte ſich behaglich auf dem Divan aus.„Dieſe Lenore iſt ein prächtiges Weib,“ rief er vergnügt.„Einfach, offen, kurz ab, nichts von der weichlichen Schwärmerei Eurer Mädchen.— Setze dich noch eine Stunde neben mich, wie ſonſt, Anton Wohlfart, freiherrlicher Rentmeiſter in einer ſlaviſchen Sahara. Höre, du biſt in einer ſo abenteuer⸗ lichen Lage, daß mir vor Verwunderung noch immer die Haare zu Berge ſtehn. Du haſt mir früher bei meinen Streichen manches liebe Mal als verſtändiger Schutzgeiſt beigeſtanden; jetzt ſteckſt du ſelbſt mitten in der Tollheit, und da ich gegenwärtig den Vorzug genieße, bei geſunden Sin⸗ nen zu ſein, ſo verbietet mir mein Gewiſſen, dich in dieſer Confuſion zu verlaſſen.“
„Fritz, lieber Freund,“ rief Anton freudig.
„Schon gut,“ ſagte Fink.„Ich wünſche alſo die nächſte Zeit in deiner Nähe zu bleiben. Ueberlege, wie ſich das machen läßt. Mit den Frauen wirſt du wohl fertig werden, aber der Freiherr?“
„Du haſt gehört,“ erwiederte Anton,„auch er hält für einen günſtigen Zufall, daß gerade jetzt ein Ritter wie du in ſein einſames Schloß zieht, es iſt nur“— er ſah ſich be⸗
denklich im Zimmer um,„du wirſt vorlieb nehmen müſſen.“


