zur Seite. An dem Baume lehnte die ſchlanke Geſtalt eines fremden Mannes, die Arme übereinandergeſchlagen, auf dem edel geformten Geſicht ein ſpöttiſches Lächeln. Der Fremde ſchritt langſam auf ſie zu und griff an ſeinen Hut.„Es wird dem alten Herrn ſauer,“ ſagte er, auf das Pferd wei⸗ ſend.„Hoffe, Sie kennen mich noch.“
Lenore ſah ihm ſtarr ins Geſicht, wie einer Erſche heinung, und glitt endlich in ihrer Verwirrung vom Pfardet herunter. Ein Bild aus alter Zeit trat ihr leibhaftig entgegen, das kühle Lächeln, die elegante Geſtalt, die nachläſſige Sicherheit dieſes Mannes gehörten auch zu der Vergangenheit, an die ſie eben gedacht hatte.„Herr von Fink,“ rief ſie verlegen, „wie wird ſich Wohlfart freuen, Sie zu ſehn.“
„Und ich,“ erwiederte Fink,„habe ihn ſchon aus der Ferne betrachtet, und wenn ich nicht aus gewiſſen untrüg⸗ lichen Kennzeichen“— hier ſa er wieder auf Lenore—„er⸗ kannt hätte, daß er es iſt, dort als geharniſchter Mann durch den Sand watet, ich itt es nicht für möglich ge⸗ halten.“
„Kommen Sie ſchnell zu ihm,“ rief Lenore,„Ihre An⸗ kunft iſt die größte Freude, die ihm werden konnte.“
So ſchritt Fink neben ihr zu dem Schießplatz, wo jetzt die Männer ſich anſchickten, auf den Drachen zu zielen. Fink trat hinier Anton und legte die Hand auf ſeine Schulter. „Guten Tag, Anton,“ ſagte er.
Anton drehte ſich erſtaunt um und warf ſich an den Hals des Freundes. Heftige Fragen und kurze Antworten flogen durcheinander.„Wo kommſt du her, du lieber Wieder⸗ gefundener?“ rief Anton endlich. 5
2*


