Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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ſeiner Freunde zu verlaſſen. Ich habe heut wieder den gan⸗ zen Nachmittag Sorge um Ihr Ausbleiben gehabt und habe Ihnen gegen Abend Ihr Mädchen anf den Weg nach Ros⸗ min entgegengeſchickt. Denn ein erſchrockener Handwerks⸗ burſche kam auf das Schloß gelaufen und erzählte, er ſei auf dem Wege von einer bewaffneten Frau angehalten worden und habe ihr ſein Wanderbuch vorzeigen müſſen. Nach ſei⸗ ner Erzählung hatte dieſe Frau einen ungeheuern Hund ſo groß wie eine Kuh hinter ſich; er klagte, ſie hätte ſchrecklich ausgeſehn. Der Mann war ganz außer ſich.

Es war ein Haſe, ſagte Lenore verächtlich.Als er mich mit dem Pony ſah, lief er davon wie von böſem Ge⸗ wiſſen gejagt. Da rief ich ihm nach und drohte ihm mit meinem Taſchenpuffer.

Unter ſolchen Vorbereitungen erwarteten die vom Gut täglich den Ausbruch der Empörung auch auf ihrer Wald⸗ inſel. Unterdeß verbreitete ſich die Gluth des Aufſtandes wie ein Waldbrand über die ganze Provinz. Wo die Polen dicht an einander ſaßen, ſchlug die helle Flamme zum Him⸗ mel, an den Rändern flackerte das Feuer bald hier, bald da, wie der Brand im grünen Holze. An mancher Stelle wurde gelöſcht, eine Zeit lang blieb Alles ſtill, dann loderte die Flamme plötzlich wieder auf.

An einem Sonntag Nachmittag war große Uebung der

werbündeten Dörfer. Mit ihren Fahnen kamen die von Neu⸗

dorf und Kunau herangezogen, das Fußvolk voran, die Bur⸗ ſchen zu Pferde hinterher, vom Schloßhofe ritt die kleine Reihe der Knechte, von Karl geführt, ihnen entgegen, außer⸗

dem einige Mann zu Fuß, denen der Förſter als Generaliſſimus