Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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ſetzte und ihre Anſichten über den Lauf der Welt mit den

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Und ſie erlebte die Freude, daß die Leute ſelbſt ihr in Antons Gegenwart das ſagten. An einem Sonntag Abend ſaßen Karl, der Förſter und der Schäfer als Wachtpoſten im Wirthſchaftshofe, während die Bauern in der Schenke tran⸗ ken; denn der Sonntag war für die im Schloſſe am gefähr⸗ lichſten. Karl hatte im Amtmannshaus eine Stube für mi⸗ litäriſche Zwecke eingerichtet, einige Bund Stroh zum Schla⸗ fen, einen Tiſch, Bänke und Stühle hineingeſetzt. Heute trug Lenore mit eigener Hand eine Flaſche Rum und Citro⸗ nen aus dem Schloß zu den Wächtern hinüber und gab dem Amtmann den Rath, daraus einen Kriegspunſch zu ko⸗ chen. Der Schäſer und der Waldmenſch zogen beglückt über dieſe Aufmerkſamkeit den Mund von einem Ohr zum andern, Karl ſprang herbei, ſetzte dem Fräulein einen Stuhl zurecht, der Förſter begann ſogleich eine ſchreckliche Geſchichte von

einer Räuberbande aus dem Nachbarkreis, und ſo machte ſichs von ſelbſt, daß Lenore ſich auf einige Minuten nieder⸗ Getreuen austauſchte. Da trat, gerade als der Punſch fer⸗ tig war und von dem Fräulein ſelbſt in zwei Gläſer und ei⸗ nen Topf gegoſſen wurde, auch Anton herein. Er kam ihr ungelegen, das war wieder nichts für ihn. Indeß, er ſchalt nicht, ſondern wandte ſich zur Thür und winkte einem Frem⸗ den aus dem Hausflur herein. Ein ſchlanker Bauernburſch in blauem Rock mit hellen Wollſchnüren, eine Soldatenmütze in der Hand, die weiten Leinwandhoſen in die S iefeln ge⸗ ſteckt, trat ſtolz in das Zimmer. Da fiel ſein Auge auf das Fräulein. Wie der Blitz fuhr er zu ihren Füßen, küßte ihr das Knie, und blieb dann mit geſenktem Haupt, die Mütze