Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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ſollte, kam Lenore mit einer Mütze und einem leichten Säbel aus dem Schloſſe, zog ihren Pony aus dem Stall und ſagte zu Anton:Ich reite mit. Thun Sie das nicht, Fräulein. Ich will aber, entgegnete Lenore trotzig,es fehlt Ih⸗ nen an Leuten, ich kann ſo gut Dienſt thun, wie ein Mann. Aber, liebes Fräulein, bat Anton weiter,es iſt ſo auffallend. Es iſt mir gleichgiltig, ob es Jemandem auffällt, ſagte Lenore.Ich bin ſtark, ich halte etwas aus, ich will nicht müde werden. Aber vor den Knechten, ſtellte Anton vor;Sie ver⸗ geben ſich etwas auch vor den Leuten. Das iſt meine Sorge, erwiederte Lenore hartnäckig, widerſprechen Sie nicht, ich will es, und damit gut. Anton zuckte die Achſeln und mußte ſich's gefallen laſſen. Lenore ritt neben Karl und machte die kriegeriſchen Bewe⸗ gungen mit, ſo viel der Damenſattel das erlaubte, aber An⸗ ton ſah aus der Reihe des Fußvolks unzufrieden nach der hellen Geſtalt hinüber. Sie hatte ihm nie ſo wenig gefallen. Wenn ſte wild mit den Andern vorſprengte, ihr Pferd her⸗ umriß und mit dem Säbel in die Luft ſchlug, wenn ihr hel⸗ les Haar ſich im Winde löſte und ihr Auge vor Kampfluſt ſtrahlte, ſo war ſie hinreißend ſchön. Aber was Anton beim leichten Spiel entzückt haͤtte, das kam ihm jetzt, wo dieſe Uebungen bitterer Ernſt waren, ſehr unweiblich vor; er mußte an eine Kunſtreiterin denken. Einſt hatte gerade dieſe Aehn⸗ lichkeit ſein ganzes Herz gefangen genommen, heut erkältete ſie ihm die Seele. Und als die Uebung vorüber war, und