von Tarow verglichen hat. Er mußte ſein Wort geben, daß
er mit ſeinen Leuten nichts weiter gegen die Stadt unter⸗ nehmen wollte; darauf haben wir ihn über die Brücke ge⸗ führt und losgelaſſen.“—
„So iſt er frei, der falſche Mann!“ rief Anton entrüſtet.
„Freilich,“ ſagte der Schloſſer,„er ſitzt wieder auf ſei⸗ nem Gut und hat einen Haufen junger Herren um ſich. Sie reiten mit ihren Cocarden über die Felder, gerade wie vor⸗ her. Der Tarowski iſt ein ſchlauer Mann, der ſchließt Ih⸗ nen mit einem Federbart jedes Schloß auf, er wird mit allen Leuten fertig. Dem iſt nichts anzuhaben.“
Natürlich litt die Wirthſchaft unter ſolchen Rüſtungen. Zwar hielt Anton mit Strenge darauf, daß wenigſtens das Nothwendigſte gethan wurde, aber auch er fühlte, daß eine Zeit gekommen war, wo die Sorge um das eigene Wohl und Wehe ſchwindet über der Angſt um das Größte, das der p Menſch auf Erden beſitzt. Die Gerüchte, welche jeden Tag drohender wurden, erhielten ihn und ſeine Umgebung in ei⸗ ner fortwährenden Aufregung und brachten zuletzt einen Zuſtand hervor, in dem der Seele die fieberhafte Spannung Gewohnheit iſt. Man ſah mit einer wilden Gleichgiltigkeit in die Zukunft und ertrug das Unbehagen des Tages als etwas Natürliches.
Mehr aber, als die Männer des Gutes alle zuſammen,
wurde Lenore von dem allgemeinen Fieber ergriffen. Seit jenem Tage, wo ſie den abweſenden Anton erwartet hatte, begann für ſie ein neues Leben. Die Mutter trauerte und wollte verzweifeln über eine ſolche Zeit, das junge Herz der Tochter ſchlug kräftig dem Sturme entgegen, und die Auf⸗
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