Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Oberleibe auf Raub ausgeht. Und die vom neuen Vorwerk kamen angezogen wie Geiſter aus einer untergegangenen Zeit. 3 Der Förſter mit ſeinem kurz geſchorenen Haar und dem lan⸗ 4 gen Bart, in einem ausgewetterten Rock, mit dem finſtern Geſicht voll Runzeln und ſeinen buſchigen Augenbrauen, glich* einem alten Söldling aus Wallenſteins Heer, der zweihun⸗

dert Jahr im tiefen Walde geſchlafen hat und jetzt wieder in die Welt ſchreitet, weil Unheil und Greuel mächtig werden. Und wenn verzweifelte Gedanken und trotziger Haß gegen den Feind zu einem Wallenſteiner machen konnten, ſo war er auch, was er ſchien. Wie ein frommer Huſſit marſchirte der Schä⸗ fer neben ihm. Die breite Krempe des runden Hutes hing ihm bis auf den Rücken herunter, ein breiter Ledergurt um⸗ ſchlang ſeinen Leib, in der Hand hielt er einen Hakenſtock, an den er eine glänzende Eiſenſpitze geheftet hatte. Sein phlegmatiſches Geſicht und der ſinnende Ausdruck ſeiner Au⸗ 8. gen machten ihn dem Waldmann ſo unähnlich als möglich. Alles in Allem war die bewaffnete Mannſchaft des Gutes nicht ſtärker als zwanzig Mann. Bei dieſer kleinen Zahl bräuchbarer Leute war es ſchwer, einen Wachtdienſt im Schloß

und dem Dorfe einzurichten. Jedem Einzelnen mußten die größten Anſtrengungen zugemuthet werden, indeß Niemand klagte darüber, Alle, auch die Gedienten aus dem Dorfe, waren zu jeder Art von kriegeriſchem Werk bereit.

Nachdem die Männer zuſammengebracht waren, dachte man an die Sicherung des Schloſſes. Um die Hinterſeite des großen Gebäudes vor nächtlichem Einbruch zu ſchützen, ließ Anton einen Zaun aus ſtarken Bohlen von einem Flügel

bis zum andern ziehn. So wurde ein ziemlich großer Hof⸗ 4