Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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und ſein Tritt fiel ſchwer auf die Stufen der Treppe. Er 3

ſelbſt würde über ſich gelacht haben, wenn man ihn gefragt hätte, zu welchem Zweck er die Erhebung ſeines Gemüths an den Beinen ausdrücke. Aber es frug ihn Niemand, Jeder erkannte, daß ſo etwas nothwendig war. Und vollends Karl! Er zeigte ſich nicht anders, als in den Ueberreſten ſeiner Ertrauniform, die er ſorgfältig aufgehoben hatte, in Mütze, Schnurrock und einem alten Soldatenmantel. Er kräuſelte ſeinen Schnurrbart und pfiff den ganzen Tag ſeine Soldaten⸗ lieder. Da von den zuchtloſen Menſchen des eigenen Dorfes am meiſten zu fürchten war, ſo rief er Alle, welche gedient hatten, in der Schenke zuſammen und hielt ihnen mit Hilfe des Förſters, der als Hexenmeiſter in großem Anſehn ſtand,

eine mächtige Rede in Kalpak und Dolman, den Säbel an

der Seite; er behandelte ſie als Kameraden, ſchlug auf den Säbel und rief: Wir vom Militär wollen hier unter den Bauern Ordnung halten. Dann ließ er einige Quart Branntwein aufſetzen und ſang mit ihnen leidenſchaftliche Kriegslieder. Zuletzt theilte er neue Cocarden aus und nahm ſte als Lanzknechte der Gutswehr in Pflicht. So befeſtigte

er die rührigſten Leute wenigſtens für einige Zeit und erfuhr durch ſie, was von Verſchwörungsgedanken in der Schentke

zu Tage kam. 4 Als am Tage darauf die Streitkraft des Gutes vor dem

Schloſſe gemuſtert wurde, ſahen die Männer erſtaunt einan⸗ der an. Sie alle waren durch die letzten Tage umgewandelt.

Der Herr Rentmeiſter ſah aus wie ein wilder Mann, der

aus einem fremden Sumpflande heranzieht, wo er tagtäglich bis an die Hüften im Waſſer ſitzt und höchſtens mit der