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Alles macht der Bau. Wir kommen der fremden Arbeiter wegen jetzt nur ſelten hierher. Auch die Kinder vom Dorfe ſind dreiſt geworden, ſie haben hier einen Spielplatz aufge⸗ ſchlagen, und es iſt ihnen gar nicht zu wehren.“
In dem Augenblick fuhr ein Kahn hinter dem Vorſprr des Gehölzes hervor. Ein kleines Bauernmädchen, ein baus⸗ bäckiges rundes Ding, ſtand darin und wankte ängſtlich bei der raſchen Bewegung des Kahnes, den ihr älterer Br der mit einer Stange vom Ufer abſtieß.„Sehen Sie,“ rief Lenore ärgerlich,„die Krabben haben auch unſern Kahn genommen. Wollt Ihr ſogleich ans Land!“ Die Kinder erſchraken über den Zuruf, dem Knaben ſiel die Stange ins Waſſer, das kleine Mädchen ſchwankte in der Angſt des böſen Gewiſſens an den Rand des Kahnes, ſie verlor das Gleich⸗ gewicht und fiel ins Waſſer. Der Knabe trieb hilflos mit⸗ ten in der Bucht. Ein lauter Schrei vom Ufer und aus ſeiner Kehle folgte dem Fall der Kleinen.„Retten Sie das Kind!“ rief Lenore außer ſich. Bernhard lief gehorſam in den See, ohne daran zu denken, daß er nicht ſchwimmen konnte, er watete einige Schritt vor und ſtand gleich darauf hilflos bis unter die Arme im Schlamm und Waſſer. Er ſtreckte die Hände nach der Stelle aus, wo das Kind verſun⸗ ken war, aber der Punkt war noch einige Klaftern von ihm entfernt. Unterdeß war Lenore ſchnell wie der Blitz hinter einen Strauch geſprungen. Nach wenig Augenblicken trat ſte hervor und eilte an einen Vorſprung des Ufers. Aus der Tiefe der grünen Waſſerlinſen ſah Bernhard mit Ent⸗ ſetzen und Wonne auf die hohe Geſtalt. Noch haftete die phantaſtiſche Blumenkrone auf ihrem Haupt, das luftige


