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nahmen die Empfindung des Gelehrten gefangen. Sie lachte und zeigte die weißen kleinen Zähne, und er war entzückt; ſie brach einen Zweig ab und ſchlug damit an die Büſche am Wege, und ihm war, als neigten ſich die Zweige und Blät⸗ ter vor ihr auf den Boden. Sie kamen an die Brücke, an den Ausgang des Parks nach dem Feld. Einige Mädchen liefen an Lenore heran, knix⸗ tten und küßten ihr die Hände, ſie nahm dieſe Huldigung der Unterthanen wie eine Königin an. Zwei kleine Dirnen hat⸗ ten die hohlen Stengel des Löwenzahns in Kettenglieder zu⸗ ſammengebogen und eine lange Kette daraus gemacht, ſte ſtellten ſich verſchämt vor Bernhard in den Weg und hielten ihm die Kette vor. „Hinweg, ihr unartiges Volk!“ rief Lenore.„Wie könnt Ihr uns den Weg verſperren, der Herr kommt ja aus dem Schloß.— Sie lernen dies Wegelagern von den fremden Arbeitern.“ Und Bernhard fühlte mit Stolz, daß er in dieſem Augenblicke zu ihr gehörte. Er griff in die Taſche und löſte ſich von den Mädchen.„Es iſt lange her, daß ich eine ſolche Kette nicht geſehen habe,“ ſagte er.„Dunkel erinnere ich mich, daß ich als kleiner Knabe auch einmal auf einem grü- nen Platz ſaß und die Stiele zuſammenſteckte.“ Er pflückte einige Stengel des Löwenzahns und verſuchte die Kinderarbeit. „Haben die gelehrten Herren auch an ſolchen Spielen Freude?“ frug Lenore lächelnd.. „O ja,“ erwiederte Bernhard.„Ich habe auch die ſpitzen Blüthen von Akley und Ritterſporn zu runden Kränzen in einander geſteckt und in meinen Büchern gepreßt, dann trock⸗ nete ich Blätter und ganze Blumen, dann legte ich ein Her⸗


