Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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ſetzte ſich in die Roſenlaube und winkte ihm herablaſſend, gegenüber Platz zu nehmen. Als er geendet hatte, ſagte ſie

freundlich:Wenn Herr Wohlfart Ihr Freund iſt, ſo gra⸗ tulire ich Ihnen, er iſt ein guter Menſch; ich will hoffen, daß Sie das auch ſind.

Bernhard lächelte:Unter meinen Büchern habe ich nur

wenig Gelegenheit, meinen guten Willen dafür zu weiſen. Ich lebe ſtill vor mich hin und zirpe wie eine Grille; in dem Treiben der Welt komme ich mir oft recht unnütz vor. .Das viele Studiren wäre nicht meine Sache, erwie⸗ derte Lenore.Man ſieht Ihnen auch an, daß Sie wenig in der freien Luft leben. Kommen Sie, mein Herr, ich werde Sie herumführen. So ſetzen Sie doch Ihren Hut auf.

Der Bediente trat mit dem Theebret aus der Halle. Le⸗

nore winkte ihm und ſah wohlwollend zu, als Bernhard den heißen Trank ſo eilig einſchlürfte, wie ein Ritter ſeinen Steig⸗

bügeltrunk.Verbrennen Sie ſich nicht, ermahnte ſie.

Sie führte ihn durch den Park, wie ſie einſt Anton ge⸗

leitet hatte. Bernhard war ein Sohn der großen Stadt. Nicht die hohen Baumkronen, nicht die blühenden Beete im grünen Raſen, auch nicht die Thürmchen des Herrenhauſes

waren ihm etwas Ungewöhnliches, ſein Auge hing nur an

dem Fräulein. Es war ein ein klarer Abend im September.

Das Sonnenlicht fiel ſchräge durch das Laub, der Kiesweg war gefleckt von gelben Lichtern und dunkeln Schlagſchatten. So oft ein Sonnenſtrahl durch die Blätter auf Lenorens

Haupt ſchoß, glänzte ihr Haar wie Gold. Das ſtolze Auge,

der eine Mmund bie ſchlanken Glieder des krüftigen Mahchens