Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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denden Bewegung. Bernhard aber ſah ſtaunend auf den Platz, auf die Thürmchen des Schloſſes, die Schlingpflanzen des Balcons und rief:Das habe ich ſchon einmal geſehen, und ich bin doch noch nie hier geweſen.

Lenore blieb ſtehen:Das Haus iſt nicht nach der Stadt gekommen, ſo viel ich weiß; es mag wohl andere geben, die ähnlich ausſehen.

Nein, erwiederte Bernhard ſich beſinnend,ich habe das Schloß auf einer Zeichnung im Zimmer eines Freun⸗ des geſehen. Er muß Sie kennen, rief er freudig,und er hat mir doch nie etwas davon geſagt.

Wie heißt dieſer Herr, der Ihr Freund i:

Es iſt ein Herr Wohlfart.

Das Fräulein wandte ſich lebhaft zu dem Gelehrten: Wohlfart? Ein Kaufmann bei T. O. Schröter, Colonial⸗ waaren und Producte? Iſt's dieſer Herr? Und dieſer Herr iſt Ihr Freund? Wie kommen Sie zu der Bekannt⸗ ſchaft? frug ſie ſtreng und ſtellte ſich vor Bernhard auf, die Hände auf dem Rücken, wie ein Lehrer, der einen kleinen Dieb wegen geſtohlener Aepfel ins Verhör nimmt.

Bernhard erzählte, wie er Anton kennen gelernt hatte

und wie lieb ihm der tüchtige Freund geworden war. Darü⸗ ber verlor er etwas von ſeiner Befangenheit, und das Fräulein

viel von ihrer Strenge.. Ja, wenn Sie ſo ſind, ſagte Lenore noch immer ver⸗

wundert.Alſo wie geht es Herrn Wohlfart? Erzählen

Sie geſchwind, wie ſieht er aus, iſt er luſtig? Er hat wohl

recht viel zu thun?

Bernhard erzählte, er wurde immer kerner. Lenure