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Es lag im Intereſſe auch des Händlers, daß der Freiherr— noch andere Summen ohne Schwierigkeit erhielt. Und er traute dem Edelmann; er, der durchtriebene Schelm, hatte einen feſten Glauben an den adligen Sinn des Andern. Auch wenn ihn Itzig nicht unaufhörlich auf den ehrenwer⸗ then Charakter des Gutsherrn aufmerkſam gemacht hätte, er würde ihm nichts Unehrliches zugetraut haben. Was von achtungsvoller Zuneigung in ſeiner Seele noch Raum hatte, das war dem Freiherrn zu Theil geworden. Der Herr war ſeit langer Zeit der Gegenſtand ſeiner Sorge, ſeiner Arbeit, ſeiner eiferſüchtigen Wachſamkeit. Er war dem Schurken geworden, was dem Landwirth ſein Acker, der Hausfrau ihr Lieblingsthier iſt. Es war ein allerliebſter kleiner Theil von gemüthlicher Zuneigung in dem Verhältniß. Auch die Haus⸗ frau vertritt eifrig die Tugenden ihres vierbeinigen Pfleg⸗ lings, ſie betrachtet ihn mit Freude und findet ſein Tempe⸗ rament ungewöhnlich ſanft. Sie iſt geneigt, ihren Liebling für das vortrefflichſte Stück ſeiner Art zu halten, und wenn der Schlachttag kommt, vergießt ſie vielleicht eine Thräne. Aber, beim heiligen Antonius! ſo leih es ihr auch thut, ſie wird das arme Ding doch ſchlachten.—
Unterdeß ſagte unten Lenore zu Bernhard:„Iſt I gefällig, unterdeß in den Park zu gehen?“ Bernhard folgte ſchweigend und ſah ſcheu auf die Ariſtokratin, welche ihren Kopf trotzig in die Höhe warf und wenig von ſeiner Anwe⸗ 5 ſenheit erbaut ſchien. An dem grünen Platz, der einſt An⸗ ton ſo entzückt hatte, blieb ſie ſtehen und wies auf den Kies⸗ weg.„Dort hinab geht es zum See, und hier weiter hinein 4 in den Garten.“ Sie erhob die Hand zu einer verabſchie⸗


