Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

420

Zucker ſind zu groß, und der Wein, den man bei Tiſche trinkt, iſt zu theuer, aber es iſt ihre Qualität, es ſteht ihnen gut.

Fräulein Lenore ſoll eine große Schönheit ſein, frug Bernhard.Iſt ſie ſo ſtolz, wie junge Damen von ihrem Stande zu ſein pflegen? Mein armer Bernhard kannte nicht viel junge Damen, weder aus dieſem, noch aus einem andern Stande.

Sie iſt ſtolz, ſagte der Vater,aber es iſt wahr, ſie ſiſt ſchön. Unter uns geſagt, ſie gefällt mir beſſer, als die Roſalie.

Iſt ſie blond? Herr Ehrenthal dachte nach.Was ſoll ſie anders ſein, als blond oder braun, freilich hat ſie blonde Augen. Du kannſt dir auch anſehen die Heerde auf dem Gute und vergiß nicht herumzugehen im Park. Sieh

dich um, ob du einen Platz findeſt, wo du gern ſitzen möch⸗ teſt mit deinem Buche.

Der argloſe Bernhard ſchwieg und ſah mit glänzenden

Augen auf die dunkeln Umriſſe des Parks, der am Horizont aufſtieg.

Der Wagen hielt vor dem Schloſſe. Der Bediente trat an den Schlag. Die Gäſte erfuhren, daß der Freiherr in

ſeinem Zimmer und die gnädige Frau im Augenblick nicht zu ſprechen war, das Fräulein aber ſpazierte im Garten. Eh⸗ renthal ſchritt um das Haus, Bernhard neugierig hinter ihm her. Ueber den Grasplatz kam die hohe Geſtalt Lenorens langſam auf die Fremden zu. Ehrenthal ſtellte ſich auf, bog ſeinen linken Arm zu einem Kreiſe zuſammen, ſteckte ſeinen Hut hinein und präſentirte:Mein Sohn Bernhard, dies