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den Baron, die Baronin und das Fräulein, ſo wirſt du ſie kennen. Es ſind gute Leute,“ fügte er wohlwollend hinzu. Der Sohn hatte noch viele ſchüchterne Bedenken, aber der Vater ſchlug ſie durch die beſtimmte Erklärung nieder, daß der Freiherr ihn erwarte.
Bernhard ſaß im Wagen, über ihm hoch in der Luft flogen die Vögel, die Pappeln an der Landſtraße ſchnurrten wie durch ein Band gezogen hinter ihn, lachend ſchien die Sonne in ſein bleiches Geſicht und frug: wo kommſt du her, Mann, dich kenne ich nicht; er rückte ſich auf ſeinem Sitze in unruhiger Spannung zurecht. Seit er Anton kannte, ja länger, ſeit er ſeine Dichter las, hatte er von der kleinen einſamen Stube ſehnſüchtig auf das fröhliche Treiben Sol⸗ cher geſehen, welche darauf los leben und unnützes Grübeln haſſen. Heut kam ihm vor, als ob er ſelbſt ein wenig darauf los lebe, heut jagte er in die Welt hinein zu einem unbe⸗ kannten Edelmann, in das Haus einer berühmten Schönheit, die er ſich anſehen wollte. Er zog ſeinen Hemdkragen zurecht, drückte den Hut entſchloſſen in die Stirn und ſchlug die Arme unter. Mit ſcharfem Blick muſterte er die vorübergehenden Reiſenden, und die Frau vom Zollhauſe, welche das Geld abnahm, fixrirte er ſo unternehmend, daß ſie ihr Bruſt⸗ tuch zurecht zog und ihn lächelnd anblinzte. Unterdeß floß das Herz des alten Ehrenthal von Lobreden auf den Freiherrn und ſeine Familie über.„Noble Leute,“ rief er;„wenn du geſehen haben wirſt dieſe Varonin, wie ſie iſt, wenn ſie iſt in ihrer Spitzenhaube, Alles ſo fein und Alles ſo honett! Zu honett für die Welt, wie dieſe Welt einmal iſt! Die Stücke
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