Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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418. wurde jetzt ein Gemeinplatz, wie der Laden eines Krämers. Nach zehn Seiten ſollte er Rath ſchaffen, Aufſchluß geber Schwierigkeiten überwinden. Faſt täglich jagte er nach d Stadt, und wenn er am Friede bringenden Abend auf dem Gute war, erſchien er in dem Familienkreiſe ſorgevoll, mürriſch, abgeſpannt. Es war eine große Hoffnung, die ihn erfüllte, aber es war ſehr ſchwierig, ſie in Wirklichkeit zu verwandeln.

Einigen Troſt fand der Freiherr in der lebhaften Anhäng⸗ lichkeit Ehrenthals. Dieſer wußte ſich überall nützlich zu machen, hatte ſtets einen guten Rath bei der Hand und war um Auskunft niemals verlegen. Er erſchien jetzt oft auf dem Gut, dem Baron ein willkommener Gaſt, weniger den Frauen. Dieſe gönnten ihm den Argwohn, daß ſeine Beſchwörung die Fluth von Geſchäften heraufführe, welche ſich jetzt durch alle Fenſter und Thüren des Schloſſes ergoß. Glücklicher⸗ weiſe dauerten ſeine Beſuche immer nur kurze Zeit, und wenn man ihm auch anſah, daß er ſich jetzt auf dem Gut nicht unnbehaglich fühlte, ſo war ſein Benehmen in Betreff der Ehrerbietung doch durchaus untadelhaft. 1

An einem ſonnigen Mittag trat Ehrenthal mit Brillant⸗

nadel und Buſenkrauſe in das Zimmer ſeines Sohnes. Willſt du heut mitfahren auf das Gut der Rothſattel, mein Bernhard? Ich habe dem Baron geſagt, daß ich dich mit⸗ bringen werde, um dich zu präſentiren der Familie.

Bernhard ſprang von ſeinem Sitze auf. Aber Vater, ich bin den Herrſchaften ja ganz fremd!.

Wenn du das Gut geſehen haben wirſt, wird es dir nicht mehr fremd ſein, und wenn du geſprochen haben wirſt