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liefen vielleicht die Waſſerrinnen durch das Feld, die Bin⸗ ſenwurzel unter ihm trieb ebenſo ihren Schaft aus dem Waſ⸗ ſer: nur er und ſein Geſchlecht, die jetzt über Alles geboten, ſte ſollten dann verſchwunden ſein, verſchwunden bis viel⸗ leicht auf eine gleichgiltige Erinnerung!
So ſtand der Herr des Gutes, gelähmt durch den böſen Zauber, der auf der Erde und auf ſeiner Seele lag, er holte tief Athem und trocknete den Schweiß von der Stirne, er war rathlos und wie gebrochen. Da fuhr ein ſcharfer Ton durch die Wipfel der Bäume, es war ein Jagdruf der Lüfte. Noch einmal wurde Alles ſtill, dann raſte der Sturmwind plötzlich hernieder von der Höhe, er rauſchte durch die Baum⸗ wipfel, er ziſchte über das Waſſer; tief beugten die Weiden ihre grauen Aeſte, und die Staubwolken der Straße fuhren in tollen Wirbeln nach der Höhe; der gelbe Schein an den Mauern des Schloſſes verſchwand, bleigraue Dämmerung überzog die Landſchaft. Ein zackiger Blitz fuhr durch die Finſterniß, und lang und majeſtätiſch rollte der Donner her⸗ auf. Der wilde Jäger der Luft hielt ſeine Hetzjagd über die Fluren der Menſchen.
Der Freiherr richtete ſich hoch auf und öffnete ſeine Bruſt dem Zuge des Sturmwindes. Blätter und Baum⸗ zweige flogen um ihn und große Regentropfen ſchlugen auf ſein Haupt, er aber ſtarrte nach den Wolken in das Wetter hinein und auf die Blitze, welche ſich kreuzten, als erwartete er von da oben eine Entſcheidung. Da klapperte der Galopp eines Pferdes auf der Straße und eine fröhliche Männer⸗ ſtimme rief von der Höhe herab:„mein Vater!“ Ein jun⸗ ger Reiterofftzier khiel auf der Straße.


