Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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des Lebens, nur eine Waſſerſpinne, eine Libelle, welche in dem finſtern Schweigen um ihn herum ſich leibhaftig regte; da ſtarrte ihm aus der Tiefe ein bleiches Menſchengeſicht ent⸗ gegen, daß er zurückfuhr und ein zweites Mal hinſehen mußte, um zu lächeln und zu erkennen, daß es ſein eigener Wieder⸗ ſchein war. Auch hier war um den Herrn des Guts Schwüle, Muthloſigkeit und bange Ahnung.

Er lehnte ſich an den hohlen Weidenſtamm und ſah unverwandt auf ſein Haus und auf die Fenſter, wo ſeine Lieben wohnten; er ſuchte nach einem Umriß ihrer Geſtalt, er horchte nach einem Ton von dem Flügel der Varonin, er wünſchte, daß nur ein helles Band Lenorens niederflattern möchte von dem Balcon ihres Zimmers; aber kein Zeichen des Lebens war in dem Hauſe zu erſpähen, das Schloß war ausgeſtorben, wüſt, wie ein Bau aus uralter Zeit, durch geiſterhaftes Licht beleuchtet; noch wenig Augenblicke, und

es mußte verſchwinden in dem Boden. Dann konnte das

Waſſer darüber hinfluthen, und die Leute konnten ſich erzäh⸗ len, daß hier einſt ein ſchönes Schloß war, in dem ein ſtol⸗ zer Baron lebte, das ſei aber lange, lange her.

Ein gefallenes Haus, eine untergegangene Familie! Wenn die Zeit kam, wo ein fremder Mann an ſeiner Stelle

ſtand und ein neues Haus anſah, das er ſich erbaut, dann lag

die Waſſerfläche vor dem Fremden, wie jetzt vor ihm, dieſelbe Erdſcholle, die ſein Pflug aufwarf, trug auch dem Spätern bereitwillig Frucht. Dann gaben die Körner aus ſeinem

Korn noch weißes Mehl, die Lämmer von ſeinen Schafen ſprangen um denſelben ſteinernen Waſſertrog, die Ackerfläche

lag vor dem Neuen da, wie jetzt vor ihm, an derſelben Stelle