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Umriſſe ihres Leibes, daß nur die Hälſe hervorragten und ſie dem Freiherrn ausſahen wie ſchattenhafte Geſtalten, welche in der Luft dahinfahren. Nach ihnen kam langſam in drei Haufen die Schafheerde, wieder in Wolken des erſtickenden Staubes gehullt. Die Glöckchen der Thiere klangen dumpf in der dicken Luft, und wie aus weiter Entfernung tönte im Wirbel am Boden bald hier bald dort die Stimme eines geiſterhaften Schäferhundes. Und als der Schäfer ſeinen Herrn grüßend vorüberſchritt, ſaeh der Mann ſo grau und ſchattenhaft aus, wie ein Geſpenſt aus dem Grabe, das einſt auf der grünenden Erde wirkliche Schafe über das Brachfeld getrieben hatte.
Der Gutsherr blieb ſtehen an den Pferden und Schafen, er ſtand vor der welken Königskerze am Grabenrand, er hörte auf die Vögel im Laube, es waren unheimliche Gedan⸗ ken, die ſie ihm gaben. Er ging weiter auf dem Damm am Teiche, wo einſt Anton den letzten Blick auf das Herrenhaus geworfen hatte. In rothem Feuer ſtand das Schloß mit ſeinen Thürmen und Mauern vor dem Freiherrn, helle Flämmchen brannten auf den Spitzen der Thürme in die Wolken hinein, im Brand leuchteten alle Fenſterſcheiben des Schloſſes, und wie Blutstropfen lagen die roſigen Blumen⸗ büſchel auf dem ſchwarzgelben Lauf der Kletterpflanzen. Ueber dem Schloſſe aber in der Luft ballte und wälzte ſich's, und immer näher kam's in ſchwarzen Maſſen heran, um mit Nacht den glänzenden Bau zu verhüllen. Kein Blatt der Bäume bewegte ſich, keine Kreiswelle furchte die dunkle Waſſerfläche, todt lag ſie da, wie ein See der Unter⸗ welt. Der Herr beugte ſich hinab und ſuchte ein Zeichen


