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Vier Wochen waren vergangen, und ein neuer Brief von Ehrenthal erſchien, worin der Baron dringend gebeten wurde, ſeinen Entſchluß mitzutheilen, weil einzelne von den Actionären gar nicht mehr zu halten wären.
Es war der Abend eines heißen Tages, als der Freiherr unruhig aus dem Wirthſchaftshof ins Freie trat. Tief un⸗ ten am Himmel glänzte ein gelbes blendendes Licht hinter ſchwarzem Dunſt hervor, dicht zuſammengeballt hingen die Wolken über ſeinem Scheitel, wie dunkle Felſen der Luft mit eiſigen Gipfeln. Rings um den Herrn des Guts war Schwüle, Muthloſigkeit und bange Ahnung. Im Getreide ſchwirrten die Grillen lauter als ſonſt, unaufhörlich tönte ihr warnender Ruf in das Ohr des Herrn. Die kleinen Vögel auf den Bäumen der Landſtraße kreiſchten in den Zweigen, flatterten von einem Baum auf den andern und riefen ein⸗ ander zu, daß etwas Furchtbares über ihre Felder herein⸗ breche; wir Kleinen werden es überſtehen, ſchrieen ſte, aber die Großen mögen ſich hüten. Die Schwalben ſtrichen tief am Boden hin und flogen dicht an dem Freiherrn vorüber, als ſei er nicht mehr vorhanden, und die Stelle leer, wo er ſtand. Die wilden Blattpflanzen am Wege ließen ſaftlos ihre Blätter hängen, ſie waren mit häßlichem Staub überzogen und ſahen aus wie Gewächſe einer untergegan⸗ genen Welt, die vor vielen Jahren einmal grün war und Blüthen trug. Eine dicke Staubwolke rollte die Landſtraße
entlang auf den Herrn zu, die heimkehrenden Geſpanne zo⸗ gen an ihm vorüber. Schwerfällig ſchritten die Pferde vor⸗ wärts und ſenkten ihre Köpfe in den Geſchirren. Die häß⸗ liicche gelbe Wolke wälzte ſich mit ihnen fort und verhüllte die


