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Ehrenthal mußte ſich mit dieſem Veſcheide entfernen und ſagte nur noch an der Thür:„Der gnädige Herr können ſich ja die Sache überlegen, ich getraue mir durch vier Wo⸗ chen das Actiengeſchäft aufzuhalten, damit in dieſer Zeit nichts weiter geſchieht.“
Nur wer einmal in ſeinem Leben eine gefeierte Sängerin ggeweſen iſt, kann ſich eine Vorſtellung von der Fülle unbe⸗ kannter kleiner Briefe, Packete und Sendungen machen, welche der Freiherr in den nächſten vier Wochen aus der Stadt empfing. Zuerſt ſchrieb Herr Ehrenthal:„Ich habe die Actionäre vier Wochen aufgehalten;“ dann ſchrieb Herr Karfunkelſtein, ein Actionär:„Ich höre, daß Sie wollen anlegen eine Fabrik, in dieſem Fall ſtehe ich Ihnen nach.“ Dann ſchrieb wieder Herr Ehrenthal:„Hier iſt eine Jah⸗ resberechnung einer ähnlichen Fabrik, woraus man kann ſehen, was zu gewinnen wäre.“ Dann ſchrieb wieder ein Herr Wolfsdorf:„Es verlautet, daß der Herr umgehe mit einer FSabrik; ich habe Capitalien auszuleihen gegen mäßigen Zins⸗ fuß und würde glücklich ſein, wenn ich eine Hypothek er⸗ hielte oder am liebſten einen Antheil am Geſchäft.“ Zuleetzt ſchrieb gar ein undeutlicher er Itzigveit:„Der Herr Ba⸗ ron ſoll das Geſchäft nicht machen mit Ehrenthal, wie man
in der Stadt erzählt, Ehrenthal iſt ein reicher, aber ein intereſſirter Mann, er ſoll ihn wenigſtens nicht annehmen zum Compagnon; ich der Briefſchreiber will ihm viel beſſere Capitalien verſchaffen und ganz andere Theilnehmer,“ wo⸗ rauf Herr Ehrenthal wieder genöthigt war zu ſchreiben:„Es werden Intriguen geſpielt von meinen Gegnern in der Stadt, um dem gnädigen Herrn anderes Geld zu ſeinem ſchönen
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