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ter, das that mir leid. Und ſo beſcheiden war er! Sei mir nicht böſe,“ ſchmeichelte ſie und flog an den Hals der Mut⸗ ter, in deren Augen mehr Liebe als Zorn zu leſen war.
Die Mutter küßte das Kind auf den Mund und ſagte gütig:„Du biſt mein gutes, wildes Mädchen, ſuche mir jetzt den Vater, ſein Kaffe wird kalt.“
Als der Freiherr in die Laube trat, noch voll von ſeiner Unterredung mit Ehrenthal, legte die Baronin ihre Hände in die ſeinen und ſagte:„Oscar, ich habe Sorge um Le⸗ nore!“
„Iſt ſie krank?“ frug der Vater betroffen.
„Sie iſt geſund und von Herzen gut, aber ſie iſt kecker und ungebundener, als ſich für ihre Jahre paßt.“
„Sie iſt auf dem Lande aufgewachſen und eine tüchtige Dirne geworden,“ erwiederte der Freiherr beruhigend.
„Es fehlt ihr aber an Form und an Zartgefühl im Um⸗ gange mit Fremden,“ fuhr die Mutter fort„Ich fürchte, ſie iſt in Gefahr, ein Original zu werden.“
„Nun, das Unglück wäre nicht ſo groß,“ ſagte der Frei⸗ hert lachend.
„Es giebt kein größeres für ein Mädchen aus unſerm Kreiſe.— Was in der Geſellſchaft auffällt, wird auch lächerlich; ein kleiner Zug von bizarrem Weſen kann ihre
ganze Zukunft verderben. Sie muß genöthigt werden, mehr auf ſich zu achten, und ich fürchte, hier auf dem Lande wird ſie das nicht lernen.“—
„Wir ſollen das Kind von uns thun, wielleicht auf Jahre, und unter fremden Menſchen aufblühen laſſen?“ frug
der Freiherr unwillig.


