Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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„Und doch muß es ſein,“ ſagte die Baronin ernſt,„und es koſtet mich viel, dir das zu ſagen. Sie iſt unartig gegen

Mädchen ihres Alters, rückſichtslos gegen Frauen, und Män⸗

nern gegenüber viel zu dreiſt.— Kannſt du dir ein Mäd⸗ chen von Lenorens Weſen am Hofe denken?“ frug die Ba⸗ ronin nach einer Pauſe.

Der Gemahl konnte ſich das nicht denken, vielleicht deß⸗

halb nicht, weil ein Fürſtenhof überhaupt nicht der Ort iſt, wo ſchnell aufgeſchoſſene Fräulein die Schulbücher umher⸗

tragen und Katze und Maus ſpielen.

„Sie wird ſich ändern,“ warf ex endlich ein.

„Sie wird ſich nicht ändern,“ entgegnete die Baronin ſanft, die Hand auf ſeine Schulter legend,„ſo lange der

Liebling mit ſeinem Vater zu Pferde über Gräben ſetzt und ihn ſogar auf dem Pürſchgang begleitet.“

„Ich kann mich nicht darein finden, beide Kinder zu entbehren,“ ſprach der Vater gutmüthig.„Das wäre ſehr hart für uns, am ſchwerſten für dich, du ſtrenge Haus⸗ frau.“ 8

„Vielleicht!“ ſagte die Baronin leiſe, und ihre Augen wurden feucht.„Aber wir dürfen nicht an uns denken, nur an die Zukunft der Kinder.“

Der Freiherr ſah die Bewegung der geliebten Frau, er

zog ſie an ſich und ſprach entſchloſſen:„Höre, Elsbeth,

wenn wir in früheren Jahren von dieſer Zeit ſprachen, da

dachten wir uns Lenorens Erziehung anders. Wir wollten die Winter über ſelbſt in der Stadt leben, unter deinen

Augen ſollte das Kind den letzten Unterricht erhalten und in die Geſellſchaft treten. Du ſollſt dich nicht von ihr tren⸗