Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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wo möglich noch mehr als in den erſten Monaten nach ſeiner Vermählung. Kurz er war das Muſterbild eines adli⸗ gen Rittergutsbeſitzers. Er war kein übermäßig reicher Herr, ungefähr das, was man einen Fünftauſendthalermann nennt, und hätte ſein ſchönes Gut in günſtigen Zeiten wohl um vieles höher verkaufen können, als der ſcharfſinnige Itzig annahm. Er hätte das aber mit Recht für eine große Thor⸗ heit gehalten. Zwei geſunde und fähige Kinder vollendeten das Glück ſeines Haushaltes, der Sohn war im Begriff, als MNiilitär die Familiencarriere zu beginnen, die Tochter ſollte 3 noch einige Jahre unter den Flügeln der Mutter leben, be⸗ vor ſie in die große Welt trat. 3. Wie alle Menſchen, welchen das Schickſal Familiener⸗ innerungen aus alter Zeit auf einen Schild gemalt und an⸗ die Wiege gebunden hat, war auch unſer Freiherr geneigt, diel an die Vergangenheit und Zukunft ſeiner Familie zu denken. An ſeinem Großvater war die trübe Erfahrung gemacht worden, daß ein einziger ungeordneter Geiſt hin⸗ reicht, das auseinander zu ſtreuen, was femſige Vorfahren an Goldkörnern und Ehren für ihre Nachkommen geſammelt haben. Er hätte deßhalb gern ſein Haus für alle Zukunft vor dem Herunterkommen geſichert, hätte gern ſein ſchönes Gut in ein Majorat verwandelt und dadurch leichtſinnigen Enkeln erſchwert, zwar nicht Schulden zu machen, aber die⸗ ſelben zu bezahlen. Doch die Rückſicht auf ſeine Tochter hielt 1 ihn von dieſem Schritte ab, es kam ſeinem ehrlichen Gefühl ungerecht vor, dies geliebte Kind wegen künftiger ungewiſſer Rothſattel zu enterben. Und er empfand mit Schmerz, daß ſein altes Geſchlecht in der nächſten Generation! in dieſelle