85 dazu gekommen war, die neunzinkige Grafenkrone oder gar
düſtere Ueberzeugung, daß dieſer dicke Herr zuweilen im Keller auf einer großen Krauttonne zu ſehen ſei, wo er als ruheloſer Geiſt ſitze und ächze, zur Strafe für ſchauderhafte Vergehungen gegen die Tugend ſeiner weiblichen Zeitge⸗ noſſen. Wieder ein anderer Vorfahr war kaiſerlicher Rath zu Wien geweſen; der Urgroßvater des gegenwärtigen Be⸗ ſitzers war von dem großen König der Preußen ſtarr ange⸗ ſehen und darauf mit Wohlwollen angeredet worden. Auch ¹ der Großvater war zu ſeiner Zeit ein unternehmender und vielbeſprochener Cavalier geweſen, der in der Armee keine Lorbeeren gefunden und ſich reſignirt hatte, dieſelben im Boudoir galanter Damen und am grünen Tiſch zu ſuchen. Leider waren ihm dabei ſeine Güter läſtig geworden und aus 4 den Händen geglitten. Sein Sohn endlich, der Vater des gegenwärtigen Beſitzers, war ein einfacher Landedelmann von 1 mäßigem Geiſte, der nach langen Proceſſen das eine ſtattliche Gut aus den Trümmern des Familienvermögens rettete und ſein Leben damit zubrachte, daſſelbe für ſeine Nachkom⸗ men ſchuldenfrei zu machen. Die Rothſattel hatten von je in dem Ruf geſtanden, ſtarke Nachkommenſchaft zu hinter⸗ laſſen, und alle ältern Damen aus der Familie erklärten dieſe Eigenheit— ſo höchſt achtungswerth ſte auch ſonſt ſei— doch für den einzigen Grund, daß das berühmte Haus nicht
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den geſchloſſenen Reif eines. Titularfürſtenthums auf demn Wappenhelm ſeines Seniors zu ſehen. Gegenüber den alten Brauch ſeines Hauſes erwies der Vater auch da⸗ durch ſeinen beſcheidenen Sinn, daß er nur einen Sohn hinterließ.
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