vornehm ragte es über die Ebene. Luſtig flatterte die Fahne auf dem Thürmchen, und kräftig glänzte im Sonnenſchein das Grün der Schlingpflanzen, welche den braunen Stein der Mauern überzogen.
„So feſt, ſo edel!“ ſagte Anton vor ſich hin.
„Wenn du dieſem Baron aufzählſt hunderttauſend Tha⸗ lerſtücke, wird er dir noch nicht geben ſein Gut, was er hat geerbt von ſeinem Vater,“ ſprach eine ſcharfe Stimme hinter Antons Rücken. Dieſer wandte ſich zornig um, das Zau⸗ berbild verſchwand, er ſtand in dem Staube der großen Landſtraße. Neben ihm lehnte an einem Weidenſtamm ein
junger Burſche in ärmlichem Aufzuge, welcher ein kleines Bündel unter dem Arme hielt und mit ruhiger Unverſchämt⸗ heit unſern Helden anſtarrte.
„Biſt du's, Veitel Itzig!“ rief Anton, ohne große
Freude über die Zuſammenkunft zu verrathen. Junker Itzig war keine auffallend ſchöne Erſcheinung, hager, bleich, mit röthlichem krauſem Haar, in einer alten Jacke und defecten
Beinkleidern ſah er ſo aus, daß er einem Gensdarmen un⸗ gleich intereſſanter ſein mußte, als andern Reiſenden. Er
war aus Oſtrau, ein Kamerad Antons von der Bürger⸗ ſchule her. Anton hatte in früherer Zeit Gelegenheit ge⸗
habt, durch tapfern Gebrauch ſeiner Zunge und ſeiner klei⸗
nen Fäuſte den Judenknaben vor Mißhandlungen muthwil⸗ liger Schüler zu bewahren und ſich das Selbſtgefühl eines
Beſchützers der unterdrückten Unſchuld zu verſchaffen. Na⸗
mentlich einmal in einer düſtern Schulſcene, in welcher ei Knackwürſtchen benutzt wurde, um verzweifelte Empfindunge in Itzig hervorzurufen, hatte Anton ſo wacker für Itzig p


