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langer Trauer in der engen Stube pochte heut ſein Herz zum erſten Mal wieder in kräftigen Schlägen; in der Fülle der Sugendkraft ſtrahlte ſein Auge und lachte ſein Mund. Alles um ihn glänzte, duftete, wogte wie in elektriſchem Feuer, in langen Zügen trank er den berauſchenden Wohlgeruch, der aus der blühenden Erde aufſtieg. Wo er einen Schnitter im Felde traf, rief er ihm zu, daß heut ein guter Tag ſei, und einen guten Tag rief jeder Mund dem ſchmucken Jüngling zurück. Im Getreidefelde neigten’ſich die Aehren am ſchwan⸗ ren Stiel auf ihn zu, ſie nickten und grüßten, und in ihrem Schatten ſchwirrten unzählige Grillen ihren Geſang: Luſtig, luſtig im Sonnenſchein! Auf der Weide ſaß ein Volk Sper⸗ linge, die kleinen Barone des Feldes flüchteten nicht, als er vor dem Stamm ſtehen blieb, ja ſie beugten die Hälſe her⸗ unter und ſchrieen ihn an:„Guten Tag, Wandersmann, wohin, wohin?“ Und Anton ſagte leiſe:„Nach der großen Stadt, in das Leben.“„Gutes Glück,“ ſchrieen die Sper⸗ linge,„friſch vorwärts!“ Anton durchſchritt auf dem Fußpfad einen Wieſen⸗ grund, ging über eine Brücke und ſah ſich in einem Wäld⸗ lchen mit gut erhaltenen Kieswegen. Immer mehr nahm „ das Gebüſch den Charakter eines gepflegten Gartens an, der Wandrer bog um einige alte Bäume und ſtand vor einem großen Raſenplatz. Hinter dieſem erhob ſich ein Herrenhaus mit zwei Thürmchen in den Ecken und einem Balcon. Wer auf dem Balcon ſtand, konnte über den Grasplatz hinüber durch eine Oeffnung in den Baumgruppen die ſchönſten Um⸗ iſſe des fernen Gebirges ſehen. An den Thürumchen liefen
etterroſen und wilder Wein in die Höhe, und unter dem


