Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Schon welkte das friſch gemähete Wieſengras in der Mittagsſonne, als Anton dem Nachbar aus Oſtrau, der ihn bis zur letzten Station vor der Hauptſtadt mitgenommen hatte, die Hand ſchüttelte und dann rüſtig auf der Landſtraße vorwärts ſchritt. Es war ein lachender Sommertag, auf den Wieſen klirrte die Senſe des Schnitters am Wetzſtein und oben in der Luft ſang die unermüdliche Lerche. Vor dem Wanderer ſtrich die Landſchaft in hügelloſer Ebene fort, am Horizont hinter ihm erhob ſich der blaue Zug des Ge⸗ birges. Kleine Bäche von Erlen und Weidengruppen ein⸗. gefaßt durchrannen luſtig die Landſchaft, jeder Bach bildete ein Wieſenthal, das auf beiden Seiten von üppigen Getrei⸗ defeldern begrenzt wurde. Von allen Seiten ſtiegen die hellen Glockenthürme der Kirchen aus dem Boden auf, Mit⸗ telpunkt einer Gruppe von braunen und rothen Dächern, die mit einem Kranz von Gehölz umgeben waren. Bei vie⸗ len Dörfern konnte man an der ſtattlichen Baumallee und

8 dem Dach eines großen Gebäudes den Ritterſitz erkennen, welcher neben den Dorfhäuſern lag, wie der Schäferhund neben der wolligen Heerde.

Anton eilte vorwärts, wie auf Sprungfedern fortge⸗ ſchnellt. Vor ihm lag die Zukunft ſonnig wie die Flur, ein Leben voll ſtrahlender Träume und grüner Hoffnungen. Nach