Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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ſchluß iſt gefaßt, er will ja Kaufmann werden. Erſt muß er mit dem Gymnaſium fertig ſein, dann ſteht ihm die ganze Welt offen. Und dann that der Calculator, als ob das Abiturientenzeugniß ein Schlüſſel zu allen Ehren der Welt ſei. Im Geheimen aber bangte ihm ein wenig davor, den Familientraum der Ausführung näher zu bringen.

Unterdeß kam ein ſchwarzer Tag, wo die Fenſterladen des Hauſes lange geſchloſſen blieben, das Dienſtmädchen mit rothen Augen die Treppe auf und ab lief, der Arzt kam und den Kopf ſchüttelte, und der alte Herr am Lager ſeiner Frau das Sammtkäppchen in den gefalteten Händen hielt, wäh⸗ rend der Sohn ſchluchzend vor dem Bette kniete und ſeinen Lockenkopf darauf legte, welchen die Hand der ſterbenden Mutter noch zu ſtreicheln verſuchte. Drei Tage nach dieſem Morgen wurde die Frau Calculatorin begraben, und der alte

Herr und Anton ſaßen am Abend nach dem Begräbniß

bleich und einſam einander gegenüber. Anton ſchlich von Zeit zu Zeit hinter die Stachelbeeren, ſich dort in der Stille auszuweinen, und der alte Herr ſtand häufig von ſeinem Stuhle auf und ging in die Schlafſtube, wo die weiße Gar⸗ dine mit den beiden Quaſten hing, und weinte ebenfalls. Der Jüngling erhielt nach langem Weinen die rothen Backen wieder, der alte Herr kam nicht wieder zu Kräften. Er klagte über nichts, er rauchte ſeine Pfeife wie immer, er ärgerte ſich noch immer, wenn der Kaffe flaute, aber es war kein rechtes Rauchen und auch kein rechter Aerger mehr. Oft ſah er ſeinen Sohn nachdenklich und traurig an, und der junge Geſell konnte nicht errathen, was den Vater ſo

beſorgt mache. Als der Vater aber an einem Sonnabend