Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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den Sohn wieder gefragt hatte, ob er noch Kaufmann wer⸗ den wollte, und Anton zum hundertſten Male verſichert hatte, daß er gerade dies gern wolle, und nichts Anderes, da ſtand der alte Herr entſchloſſen auf, rief das Dienſtmädchen und beſtellte zum nächſten Morgen eine Fuhre nach der Hauptſtadt. Er geſtand dem fragenden Sohne nicht, weshalb er die uner⸗ hörte Expedition vornahm. Und er hatte wohl Grund zum Schweigen, der arme alte Herr! Denn wenn er auch ſeit zwanzig Jahren ſtolz geweſen war auf ſeinen großen Handels⸗ freund, ſo hatte ihm doch immer der Muth gefehlt, ſelbſt vor den Kaufmann zu treten und für ſeinen Sohn einen Platz im Comtoir zu erbitten. Sein Wunſch kam ihm ſehr verwegen vor, und ſeine Anſprüche unermeßlich gering. Oft hatte er ſich's vorgenommen und ſtets hatte er's wieder aufgeſchoben, bis die Sorge um den Sohn größer wurde, als ſeine Scheu.

Als er den Tag darauf ſehr ſpät aus der Hauptſtadt zuruckkehrte, war er in ganz anderer Stimmung, glücklicher als je nach dem Tode der Frau Calculatorin. Er begeiſterte ſeinen Sohn, der ihn in ahnungsvoller Spannung erwartete, durch ſeinen Bericht von der unglaublichen Annehmlichkeit des großen Geſchäftes und der Freundlichkeit des großen Kaufmanns gegen ihn. Er war zu Mittag geladen worden, er hatte Kibitzeier gegeſſen, er hatte griechiſchen Wein aus den Kellern ſeines Freundes getrunken, einen Wein, gegen welchen der beſte Wein im Gaſthofe zu Oſtrau nichtswürdi⸗ ger Eſſig war, er hatte das Verſprechen erhalten, daß ſein Sohn nach Jahresfriſt in das Comtoir eintreten könne, und einige Winke über die Vorbildung, die dafür wünſchenswerth ſei. Schon am nächſten Tage ſaß Anton vor einem großen