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klein ſchlagen, dieſen Zuckerhut zerbrach er ſelbſt mit vielem Kraftaufwand in einer feierlichen Handlung und freute ſich über die viereckigen Würfel, welche ſeine Kunſt hervorzu⸗ bringen vermochte. Der Kaffe dagegen wurde von der Frau Calculatorin eigenhändig gebrannt, und ſehr angenehm war das Selbſtgefühl, mit welchem der würdige Hausherr die erſte Taſſe dieſes Kaffe's trank. Das waren Stunden, wo ein poetiſcher Duft, der ſo oft durch die Seelen der Kinder zieht, das ganze Haus erfüllte. Der Vater erzählte dann gern ſeinem Sohne die Geſchichte dieſer Sendungen. Vor vielen Jahren hatte der Calculator in einem beſtäubten Actenbündel, das von den Gerichten und der Menſchheit bereits aufgegeben war, ein Document gefunden, worin ein großer Gutsbeſitzer aus Poſen erklärte, einem bekannten Handelshauſe der Hauptſtadt mehrere Tauſend Thaler zu ſchulden. Offenbar war der Schuldſchein in kriegeriſcher und ungeſetzmäßiger Zeit in ein falſches Actenheft verlegt
worden. Er hatte den Fund am gehörigen Orte angezeigt,
und das Handlungshaus war dadurch in Stand geſetzt wor⸗ den, einen verzweifelten Rechtsſtreit gegen die Erben des Schuldners zu gewinnen. Darauf hatte der junge Chef der Handlung ſich angelegentlich nach dem Finder des Docu⸗ ments erkundigt und demſelben einen artigen Brief geſchrie⸗ ben, der Calculator hatte, wie ſeine Art war, ſehr beſtimmt jeden Dank abgelehnt, weil er nur ſeine Amtspflicht erfüllt habe. Von da ab erſchien an jeder Weihnacht die erwähnte Sendung mit einem kurzen herzlichen Begleitſchreiben und wurde jedesmal umgehend durch ein kalligraphiſches Kunſt⸗ werk des Calculators erwiedert, worin dieſer unermüdlich 3 8
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