—
5— 5—
aus einem Hollunderrohr zu rauchen, wie ſein Herr Vater aus einer wirklichen Pfeife zu thun pflegte. Dann ließ er ſich allerlei vom Vater erzählen, oder er ſelbſt erzählte ſeine Geſchichten. Und das that er, wie die Frauenwelt von Oſtrau einſtimmig verſicherte, mit ſo viel Gravität und An⸗ ſtand, daß er bis auf die blauen Augen und ſein blühendes Kindergeſicht vollkommen ausſah, wie ein kleiner Herr im Staatsdienſt. Unartig war er ſo ſelten, daß der Theil des weiblichen Oſtrau's, welcher einer düſtern Auffaſſung des Erdenlebens geneigt war, lange zweifelte, ob ein ſolches Kind heranwachſen könne; bis Anton endlich einmaleden Sohn des Landraths auf offener Straße durchprügelte und durch dieſe Unthat ſeine Ausſichten auf das Himmelreich in eine behagliche Ferne zurückhämmerte. Kurz er war ein ſo ungewöhnlicher Knabe, wie nur je das einzige Kind warm⸗ herziger Eltern geweſen iſt. Auch in der Bürgerſchule und ſpäter auf dem Gymnaſium wurde er ein Muſter für Andere und ein Stolz ſeiner Familie. Und da der Zeichenlehrer behauptete, Anton müſſe Maler werden, und der Ordinarius von Tertia ſeinem Vater rieth, ihn Philologie ſtudiren zu laſſen, ſo wäre der Knabe ſeiner zahlreichen Anlagen wegen wahrſcheinlich in die gewöhnliche Gefahr ausgezeichneter Kinder gekommen, für keine einzige Thätigkeit den rechten Ernſt zu finden, wenn nicht ein Zufall ſeinen Beruf be⸗ ſtimmt, hätte.
An jedem Weihnachtsfeſt wurde durch die Poſt eine Kiſte in das Haus des Calculators befördert, worin ein H des feinſten Zuckers und ein großes Packet Kaffe ſta
Gewöhnlichen Zucker ließ der Hausherr durch ſeine Frau


