—
— 435—
iſt gar nicht eingerichtet, einen ſolchen Herrn aufzuneh⸗ men,“ verſetzte ſie mit Zurückhaltung.„Nein, gnädig⸗ ſter Herr, die bürgerliche Ordnung unſerer Familie würde nicht für die Anſprüche eines jungen Fürſten paſſen. Ich ſchweige von andern Bedenken, die mir früher un⸗ bekannt waren, und die mir erſt hier auf die Seele gefallen ſind. Deshalb, wenn ich nach meinem Gefühl ſprechen darf, bin ich der Meinung, daß dies aus vielen Gründen nicht gut angeht.“
„Es war nur ein Gedanke,“ verſetzte der Fürſt in der glücklichſten Stimmung.„Der Zweck würde ſich vielleicht erreichen laſſen, ohne Herrn Bauer unbillig zu beengen. Meine Abſicht war,“ fuhr er mit ritter⸗
licher Artigkeit fort,„Ihnen und Ihrem Vater einen
offenkundigen Beweis meiner Achtung zu geben, ich habe dazu beſondere Veranlaſſung.“ Er ſah Ilſe bedeutſam an, ſie dachte an den Geburtstag der Prinzeſſin.
„Ich weiß warum,“ ſagte ſie leiſe.
Der Fürſt rückte ſeinen Stuhl näher.„Ihr Vater hat eine große Familie?“ frug er.„Ich erinnere mich dunkel, einige rothbäckige Knaben geſehen zu haben.“
„Das waren die Brüder,“ lachte Ilſe,„es ſind prächtige Jungen, gnädiger Herr, wenn ich als Schwe⸗ ſter loben darf. Sie werden einmal Ew. Hoheit Freude machen. Noch ſind ſie etwas ungeleckt, aber brav und geſcheut. Mein Franz hat mir erſt geſtern geſchrieben, ich möchte Ew. Hoheit von ihm grüßen. Das kleine Kerlchen denkt, dergleichen geht nur ſo. Nun ich will
28*


