der Natur, welche ſtets bemüht iſt, das Weſen von dem Schein zu trennen, die Brauchbarkeit fremder Natur zu ſondiren und dem Beobachter ein überlegenes Ur⸗ theil zu bewahren, ſchärft den Blick für die Mängel Anderer. Es iſt möglich, daß wir bisweilen in der Stille zu ſtreng urtheilen, während Sie, eine Frau mit warmem Gemüth, in die liebenswerthere Schwäche ver⸗ fallen und das Menſchenvolk allzu günſtig betrachten.“
„Dann iſt mein Loos doch glücklicher,“ rief Ilſe und ſah den Fürſten mit ehrlichem Kummer an.
„Es iſt ſchöner und beglückender,“ ſagte dieſer mit Empfindung,„ſich ohne Zwang ſeinem Gefühl hinzu⸗ geben, arglos mit den Wenigen verkehren, welche man ſich frei erwählt, Unholdes durch eine leichte Wendung zu vermeiden, den Geliebten ein fröhliches Herz zwang⸗ los zu öffnen. Wer aber in der kalten Luft der Ge⸗ ſchäfte zu leben verurtheilt iſt, im Kampf gegen zahl⸗ loſe Intereſſen, welche einander feindlich kreuzen, der vermag dieſe Exiſtenz nur zu ertragen, wenn er ſein Tagesleben mit einer Ordnung unmgiebt, welche ihm wenigſtens eine gehäufte Laſt des Unwillkommenen fern hält und die Füchſe und Wölfe zwingt, ihre harten Köpfe zu beugen. Solche Ordnung des Hofes und der Regierung iſt kein vollkommenes Werk, oft wird darüber
geklagt, vielleicht wurde Ihnen ſelbſt Gelegenheit zu be⸗ merken, daß Brauch und Etikette eines Hofes nicht ohne Härte ſind. Dennoch ſind ſie nothwendig. Denn ſie erleichtern uns den Rückzug und erhalten uns in einer


