Teil eines Werkes 
2. Th. (1864)
Entstehung
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tretanz vor ihr. Da, horch, ein leiſes Geräuſch, es kniſterte, Etwas ſtrich langſam unter ihrem Bett dahin. Sie fuhr in die Höhe, der unheimliche Ton hörte auf; ſchon war ſie im Begriff, ſich ſelbſt zu belügen, daß Alles nur eine Einbildung des Schlafes ſei, da kniſterte und fuhr es wieder unter dem Bett, es ſtieß an ihre Schlaf⸗ ſchuhe, es kam raſſelnd hervor, ſie hörte ein furchtbares Stöhnen und ſah beim matten Schein der Nachtlampe, daß ſich eine Kugel langſam hinter dem Stuhle heran⸗ ſchob und vor dem Bette Halt machte. Halb bewußt⸗ los vor Entſetzen fuhr ſie aus dem Bett, berührte mit dem nackten Fuß einen fremden Gegenſtand, fühlte an der Stelle einen ſcharfen Schmerz und ſank mit einem Schrei zurück. Jetzt erhob ſie im Bett gellenden Hilfe⸗ ruf, bis ihr Mädchen herbeiſtürzte und zitternd das Licht anzündete, das Fräulein wies immer noch ſchreiend in eine Ecke, wo die ſtachlige Geſpenſterkugel jetzt in ruhi⸗ ger Furchtbarkeit verweilte und ſich allmälig als ein großer Igel darſtellte, der noch träumeriſch von ſeinem Winterſchlaf mit einer Thräne an der Naſe daſaß. Das Fräulein wurde vor Schrecken krank. Als der Arzt am frühen Morgen zu ihr eilte, fand er Lakaien und Kammermädchen in geſchloſſenem Haufen vor ihrer Thür verſammelt. An der Thür war ein weißes Schild von Pappe befeſtigt, darauf mit großen Buchſtaben zu leſen: Bettina von Loſſau, fürſtliche Hofſpionin. Wieder wurde ſtrengſte Unterſuchung befohlen, und wieder wurde der Miſſethäter nicht ermittelt.