Teil eines Werkes 
2. Th. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 10—

gleich und trotz Ihrer neuen Herrſchaft, der ich übrigens meinen Reſpect nicht vorenthalten will.“

Die Unterredung, welche ſich in den Garten hinein⸗ geſponnen hatte, wurde durch einen ſchwarzen feierlichen Mann unterbrochen, welcher einen großen Brief in bunter Hülle darbot, ſich vor Herrn Hummel aufſtellte und demſelben für ſeine abweſende Tochter die Auffor⸗ derung überbrachte, Pathenſtelle bei einem Kinde zu über⸗ nehmen, welches vor Kurzem geboren war, die Welt zu verengen. Gegen dieſe Einladung war nichts einzuwenden, die junge Mutter, Frau eines Juriſten, war Laura's Freundin und eine Tochter ihrer angeſehenen Pathe, es war ein alter Familienzuſammenhang und Hummel nahm als Vater und Bürger das Ceremoniel der Einladung mit Würde entgegen.„Und für wen iſt der Brief, den Sie noch in der Hand halten?“ frug er den Lohndiener.

„Für Herrn Doctor Hahn, welcher mit Fräulein Laura zuſammen ſtehen ſoll.“

„So?“ ſagte Hummel ironiſch,„das geht ja mit vier Kutſchpferden. Tragen Sie Ihren Brief nur dort hinüber.— Habe ich's nicht geſagt, Gabriel?“ wandte er ſich zu ſeinem Vertrauten.„Kaum vor Gericht ver⸗ glichen und auf der Stelle Gevatter, kein Menſch kann dafür ſtehen, daß nicht morgen der Strohmann von drüben zu mir kommt und mir Brüderſchaft anbietet. Da haben Sie die Folgen der Ueberfüllung und des Chriſtenthums. Diesmal iſt gar mein armes Kind das Opfer.

————

—