Teil eines Werkes 
1. Th. (1864)
Entstehung
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ſtand eine bemerkbare Stille im Saale, und viele Augen richteten ſich auf die beiden Frauen. Die Struvelius erhob ſich gradlinig, ſtieg eine Stufe von ihrem Sitz hinab und ſah ſo gefroren aus, daß Ilſe erſchrak, und kaum eine alltägliche Frage nach ihrem Befinden über die Lippen brachte.

„Ich danke Ihnen,“ antwortete die Struvelius,„ich bin keine Freundin lauter Geſelligkeit, wohl nur des— halb, weil mir alle Eigenſchaften dafür fehlen. Denn zuletzt iſt dem Menſchen nur da wohl, wo er Gelegen⸗ heit hat, irgend eine Anlage thätig darzuſtellen.“

„Mit meiner Anlage ſieht es vollends ſchlecht aus,“ ſagte Ilſe ſchüchtern,„aber mir iſt hier alles neu, und deshalb unterhalte ich mich ſehr durch das Zuſehen, und ich möchte meine Augen überall haben.“

„Das iſt bei Ihnen eine ganz andere Sache,“ ver⸗ ſetzte die Struvelius mit kalter Abfertigung.

Zum Glück wurde die dürftige Unterhaltung im Beginn unterbrochen. Denn die Conſiſtorialräthin ſchoß neugierig wie eine Elſter zu der Gruppe, um menſchen⸗ freundlich zu vermitteln, oder in der auffallenden Scene mitzuwirken. Sie pickte in das Geſpräch hinein, und gleichgültige Reden wurden kurze Zeit fortgeſetzt. Ilſe kehrte erkältet auf ihren Platz zurück, mit ſich ſelbſt ein wenig unzufrieden. Sie hatte keine Urſache dazu. Die kleine Günther ſagte ihr leiſe:„Das war recht, und ich bin Ihnen jetzt noch einmal ſo gut;“ und Profeſſor Raſchke kam zu ihr herangeſchoſſen, er erwähnte nichts,