Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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deutſchen Anſiedlern beſetzt. Als Mitbruder blieb er auch den Bärtigen vertraut und obgleich er nur ein Zuge⸗ wandter war, welcher nicht im Rathe der Bruderſchaft ſtand und kein Ehrenamt bekleidete, ſo ſaßen die Andern, welche ſich der Jungfrau gelobt hatten und Eigenthum und Haushalt entbehren mußten, doch lieber an ſeinem Heerde nieder als anderswo, und mancher von ihnen betrachtete das Haus, in welchem Frau Friderun wal⸗ tete, als ſeine Heimath.

Auch an wandernden Landsleuten fehlte es nicht, welche neue Kunde aus der Heimath zutrugen. Als erſter kam Nicolaus mit ſeiner Laute. Ihn hatte die Furcht vor dem Mönch Dorſo aus der Heimath vertrie⸗ ben, er berichtete von dem frommen Ende der Frau Elſe, und von den wunderbaren Heilungen, welche ſie in der letzten Zeit verrichtet, und klagte, daß ſeit ihrem Tode der Grimm des Prieſters Konrad wie ein wildes Feuer durch das Land fuhr und unzählige Unglück⸗ liche zum Holzſtoß führte. Als ihn Ivo aufforderte im Preußenlande zu bleiben, wo ſeine Schreibekunſt den neuen Bürgern werthvoll ſein könne, da ſah er traurig nach Friderun und ſchüttelte das Haupt. Doch einige Jahre ſpäter blieb er, und ſeit er das anſehnliche Amt des Stadtſchreibers in einem neuen Burgſitz gewann, wurde er wohlhäbig und überwand ſeinen geheimen Gram, nur machte er noch zuweilen lateiniſche Verſe, in denen die Anfangsbuchſtaben, ohne daß es Jemand merkte, zu dem Namen Friderun zuſammenſtimmten. Im nüächſten Jahre zog ein anderer Gaſt, Berthold, mit