Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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here Waller im heiligen Lande geübt hatten, ſie warfen die Gräben, erhöhten den Wall, richteten darüber aus Pfählen den Zaun einer Stadt und bauten in dem um⸗ ſchanzten Raum ihre Hütten. Fehlten ihnen in dem Flachland die Steine, ſo ſchichteten ſie die Baumſtämme ves Waldes. Wie durch Zauber wuchs das neue Men⸗ ſchenwerk aus dem Boden, und auf dem Markt und in den Straßen der Stadt bewegte ſich wenige Monate nach der Ankunft geſchäftig die wohlgeordnete Gemeinde, der Kaufmann bot ſeine Waaren feil, der Handwerker ſchnitt und hämmerte, und der Landbauer fuhr auf ſeinem Erntewagen den erſten Hafer ein.

In dem neuen deutſchen Lager gründete auch Ivo ſein Heimweſen. Zuerſt war es ein Blockhaus, bald wurde es ein künſtlicher Bau, welcher anſehnlich unter den Hütten ragte. Als Kriegsmann ritt er mit dem Kreuzheer gegen die Heiden und bei der erſten Ausfahrt führte er das Banner der thüringiſchen Pilger, wie einſt ſeine Ahnen in den Kämpfen des Reiches das Banner ihrer Landſchaft getragen hatten. Bald wurde er im Grenzlande ein vielgenannter Held, die Freude ſeiner Nachbarn und den Feinden furchtbar. Und ihm ſelbſt hob ſich das Herz in ſtolzem Behagen, als er ſah, wie hier das Heidenland ſich ganz nach dem Willen des weiſen Sibold mit Burgen und Städten füllte, denn jeder Kreuzhaufe, der über die Weichſel kam, zimmerte eine neue Burg oder Veſte und ließ Anſiedler für Dörfer oder eine neue Stadt zurück, und durch jede dieſer Anſiedlungen wur⸗ den neue Meilen des Bodens den Heiden entriſſen und mit