Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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gelobte, den Vater zu rächen an ſeinem Mörder. Lebe wohl, Friderun, und ihr, der ihr über meine Schweſter Herr geworden ſeid, macht an ihr gut, was euer Geſinde an mir gefrevelt hat. Vernehmt ihr von ſchwerer That, ſo wißt, daß es der Sohn des Richters i*ſt, welcher eine Brandfackel in unſerem Lande austilgt. Und ohne Gruß trat er zurück und jagte den Ber⸗ gen zu.

Je weiter die Fahrenden nach Oſten drangen, deſto größer wurde ihre Schaar, mehr als einmal kamen ſie bei ähnlichen Haufen gerüſteter Auswanderer vorüber, dann liefen die Fahrenden mit frohem Gruß zuſammen als künftige Nachbarn und Streitgenoſſen. Während der Nächte raſteten ſie in der Wagenburg, die ſie aus ihren Kar⸗ ren zuſammenſtießen, auf einem Dorfanger oder in der Nähe einer ummauerten Stadt, bis ſie das wilde Waſ⸗ ſer der Weichſel erreichten. Dort lagerten ſie am Ufer und zimmerten Fähren. Bruder Sibold aber fuhr mit Ivo über den Strom zu der Stelle, wo andere Brüder bereits um einen alten Eichbaum die kleine Holz⸗ burg gezimmert hatten. Dort ſteckten die Beiden mit ihren Gehilfen Pfähle für ein Standlager, welches zu einer feſten Stadt werden ſollte und zu einer neuen Grenzburg der Deutſchen. Den Brüdern gefiel, die neue Stätte Toron zu nennen, und ſie dachten dabei mit Freude an einen Berg bei Accon, unter dem die Bremer vor vierzig Jahren das erſte Spital des Ordens aus Segeltuch errichtet hatten. Die Kreuzfahrer aber thaten jetzt am Geſtade der Weichſel dieſelbe Arbeit, welche frü⸗