Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
Einzelbild herunterladen

418

Darfſt du im Leben mir nicht gehören, ſo will ich dein ſein im Tode. Ivo umſchlang die Magd und küßte ſie auf den Mund, er hielt ſie in ſeinen Armen und rief: Ich will mit euch leben, Sibold.

Wie eine Beſchwörung erklangen dieſe Worte zwi⸗ ſchen Erde und Himmel. Einem Wunder gleich er⸗ ſchien es, daß zugleich das Toſen des Sturmes aufhörte. Die Flamme, welche der Mönch am Grabenrand ent⸗ zündet hatte, um die Eingeſchloſſenen durch Dampf zu töten, flackerte aufwärts und die Rauchſäule ſtieg gegen die Wolken.

Die Brüder aber rückten um den Steg und Arnfried ſprach:Wer unſer Bruder ſein will, der muß um Bruderſchaft bei uns werben.

Ich werbe, antwortete Ivo.

Wer Bruderſchaft des Ordens begehrt und dabei in weltlichen Ehren leben will, fuhr Arnfried fort,der muß uns einen Antheil geben, groß oder klein, an ſeiner Habe und an ſeinem Gut, an ſeinen Gedanken und an ſeinem Willen, damit der Welt kund werde, daß er mit uns diene, und ich muß euch fragen, ſeid ihr dazu bereit?

Ich bin bereit, antwortete Ivo, der Magd in die Augen blickend.

Harret, während ich die Brüder frage, ob ſie euch als Mitbruder empfangen wollen in unſere Gemeinſchaft. Die Bärtigen ſtiegen von den Roſſen, traten zuſammen und verhandelten leiſe. Und Arnfried begann aufs Neue: Komm zu uns, Jvo, und knie nieder. Da trat Ivo