Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Joo, uns Beide hat die Zeit verwandelt und der Scherz des jugendlichen Frauendienſtes mag uns nicht mehr geziemen. Kommt, ſetzt euch zu mir und laßt uns Beide wiſſen, wie jetzt die alte Liederweiſe in unſern Herzen klingt. Heut iſt der Tag, wo ich mein Trauer⸗ gewand abgethan habe, dieſer Tag ſollte dem Manne gehören, der mir vor Anderen vertraut war.“

„Liebe Herrin,“ rief Ivo.

„Still Geſelle,“ mahnte ſie,„laß mich bedächtig re⸗ den. Es iſt lange her, ſeit ich dich als fahrenden Hel⸗ den bei der Burg meines Vaters entdeckte, wie du am Quell lagſt und ſchliefſt. Der erſte Kuß, den ich einem Manne gab, haftet an deinen Lippen, das kann ich nicht vergeſſen, IJvo. Uns Beiden iſt dadurch das Le⸗ ben ſchwer geworden. Der Kaiſer zwang mich, einem verhaßten Manne zu folgen und ich habe die traurige Kunſt der Frauen geübt, mich zu verſtellen und zu la⸗ chen, während ich in meiner Seele die Bitterkeit fühlte. Du aber haſt, als ich dir entfremdet wurde, treu zu mir gehalten; du weißt nicht, wie oft der Gedanke an deinen demüthigen Dienſt mein einziges Glück war, an dem ich mich aufgerichtet habe, indem ich unter den Argen lebte. Aber dir und mir hat unſere Liebe zuletzt Noth gebracht, und ſcharfes Eiſen hat in das Band geſchnit— ten, welches zwiſchen uns geſchlungen war. Ich bin hier, um zu prüfen, ob das alte Bündniß noch dich und mich zuſammenhält.“

Jvo wußte nicht, daß ſie in derſelben Stunde, in der ſie die Kunde von ſeinem Leben erhielt, einen