— 391—
in Erwartung eines Unheils.“ Lange ſtand er und ſah in die dunkle Landſchaft, aus dem Hofe klang ein kriegeriſches Lied, welches Nicolaus den Knechten vorſang, auf dem Lande lag tiefes Schweigen. Der Mond war verſchwunden und dichte Finſterniß deckte Himmel und Erde, vergebens ſah er aus nach einem Blitz und hätte ſich gefreut, das Rollen des Donners zu hören. Da ſuchte auch er mit einem Seufzer ſein Lager.
Dort warf er ſich unruhig umher, bis ihm endlich ein bleiſchwerer Schlaf die Glieder lähmte. Er ver⸗ nahm nicht, daß ſich der Wetterſturm erhob, daß er die Baumblüthen raufte und Aeſte brach, und mit wilden Stößen um das Haus fuhr, durch den Hof fegte und an die Stallthüren ſchlug, bis die Roſſe bäumten und die Rinder in Angſt brüllten. Die Blitze zerriſſen das ſchwere Wolkendach, der ganze Himmel loderte von Flammen und der Donner krachte und rollte unaufhör⸗ lich. Henner ſprang auf dem ſchmalen Steg, der von ſeinem Hofe über den Wallgraben führte, zu den Kam⸗ mern der Knechte, er fand die Männer wach und er⸗ mahnte ſie auf den Hof und das Herrenhaus zu achten. „Wir Thüringe wiſſen, was ein tüchtiges Wetter heißt, aber ſolche Wuth der Wolken hat noch Keiner erlebt, denn armesdick fallen die feurigen Strahlen;“ Lutz, wel⸗ cher Thürme und Wall des Hofes beſchritten und den erſchrockenen Thorwächter getröſtet hatte, rief durch das Brauſen:„von den rothen Bergen hebt ſich ein Feuer⸗ ſchein gegen den Himmel, dort liegt das Wetter über dem Thalkeſſel, mir ſcheint, es verſengt den Mühlbur⸗


