Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Blüthenſchmuck, in unaufhörlichem Wechſel folgten hei⸗ ßes Tageslicht und befruchtender Regen, und wenn der Ackersmann auf die üppig wuchernde Saat ſchaute, ſo ſchüttelte er wohl das Haupt über die unerwartete Herr⸗

lichkeit und ſorgte, daß der kalte Feind noch einmal zer⸗

ſtörend in das Land dringen werde.

Nach einem warmen Tage trat Ivo auf den Söl⸗ ler ſeines Hauſes. Er ſtaunte über den Wohlgeruch, wel⸗ cher von der Wieſe und den Blüthenbäumen aufſtieg, die Sonne war glühend roth geſunken, kein Tropfen Thau hing am Boden und die ſtille Luft wurde ihm ſo ſchwül, daß er ſein Gewand aufriß. In der Höhe zogen die Wolken haſtig um die Mondſichel, unter den kleinen Lichtflocken ſchoben ſich graue unförmliche Gebilde dahin, jedes mit lichten Rändern umſäumt, während über den rothen Hügeln und dem Bergwald die ſchwere ſchwarze Finſterniß lagerte; dort ſammelten ſich die Gewaltigen der Luft zu einer großen Schlacht, und die Kinder der Erde harrten in bangem Schweigen auf den bevorſtehenden Kampf. Ivo war den Tag im Hofe Bernhards geweſen und Friderun hatte zum erſtenmal von ihrer Sorge um den Vater geſprochen, von ſeinem düſtern Grübeln und von dem wilden Feuer, mit wel⸗ chem er ihr und den Nachbarn das erforſchte Geheim⸗ niß der heiligen Lehre verkündete.„Sie geht ſtill durch

Hof und Haus“, dachte Ivo„ſchafft unabläſſig für den Vater und ſorgt warmherzig um viele Andere, immer

iſt ihre Rede muthvoll, aber ihr Lächeln wird traurig,

ich ſwege ihr Herz iſt ſchwer bekümmert und ſie lebt