Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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12.

Der Mitbruder.

Wieder wehte der Mai mit warmem Hauch durch das Land und hing ſein grünes Gewand um die ent⸗ laubten Bäume, wieder regte ſich das frohe Leben auf Haide und Flur und die Herzen der bekümmerten Men⸗ ſchen erhoben ſich in neuer Hoffnung. Auch in dem Edelhofe war der goldene Schein zu erkennen, welchen das Sonnenlicht in die Seelen warf. Jedermann ſchritt ſtolzer einher, wer den ganzen Winter kein Lied geſun⸗ gen hatte, der ſummtte jetzt die faſt vergeſſene Weiſe; aus den Kammern der Knechte erklang jeden Abend ein luſtiger Rundgeſang, Lutz, der ſich wenig über den Win⸗ terfroſt gegrämt hatte, bürſtete viel über Bart und Haar und betrachtete vergnügt die glänzende Borte, welche er ſeinem Mädchen als Gürtel ſchenken wollte; Nicolaus war oft über ſeiner neubeſaiteten Laute zu finden und ſogar der Marſchalk ehrte die frohe Jahreszeit, indem er eigenhändig einen großen Topf mit Farbe über den Hof trug und den Knechten gebot, das Speerholz ſäu⸗ berlich ni den Wappenfarben des Herrn zu bemalen.