—
— 385—
hen, und Verbündete konnte er nur durch neue Opfer an Geld und Hufen erhalten, weil Niemand bereit war, im Harniſch für ihn Leib und Glieder zu wagen, wenn er nicht einen Vortheil für ſich zu hoffen hatte. Die größten Herren der Landſchaft, das Haus des Landgra⸗ fen und der Erzbiſchof von Mainz, welcher von Erfurt aus gebot, waren ihm abgeneigt und begünſtigten ſeine Geg⸗ ner, die Mühlburger und die Gleichen. Jeder der an⸗ deren großen Herren hatte ſeine Feinde, mit denen er in Händeln und Fehde lebte, und wenn ein ſolcher be⸗ reitwillig war einen Vertrag zu ſchließen, daß Freunde und Feinde gemeinſam ſein ſollten, ſo war für Ivo ſicher, daß er zu ſeinen Feinden noch zahlreiche neue erhielt, aber ſehr unſicher, ob er grade da, wo es ihm darauf ankam, die thatkräftige Unterſtützung ſeines Verbündeten gewinnen würde. Jvo hatte früher mit Widerwillen die kleinen Fehden ſeiner Nachbarn betrachtet, das Nieder⸗ brennen der Dörfer und das Wegtreiben der Heerden, jetzt fand er ſich in der Lage, an dieſelben rohen Zwangsnittel zu denken, denn wie konnte er ſeinen Gegnern anders furchtbar werden, als wenn er ihnen Schaden zufügte? Sehr verändert war das Ausſehen des Herren⸗ hofes. Statt der zierlichen Knaben, welche ſonſt dem Herrn aufgewartet hatten, lagerten jetzt narbige Knechte mit harten Fäuſten in Saal und Zimmern, die Bo⸗ ten welche aus⸗ und einritten, trugen nicht Einladungen zu ritterlichen Stechen, ſondern Fehdebriefe oder Klage⸗ ſchreiben, an den Speerſtangen blitzten ſcharfe Eiſen und
ſtatt der ſchnellen Turnierpferde ſtampften derbe Kriegs⸗ Freytag, Die Ahnen. III. 25


