Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Neffe; mich könnt ihr zwingen, Frieden zu halten, nicht alle Feinde, welche über das herrenloſe Gut eingebrochen ſind. Ich will euch loben, wenn ihr ſcharf und hart auf eurem Rechte beſteht, aber ich ſorge, die Erkenntniß iſt euch zu ſpät gekommen.“ Ivo ſtand wieder als Herr in dem Hofe ſeiner Väter. Der zudringliche Erbe war hinausgeſcheucht, ein Theil der entführten Roſſe und Rinder zurückgege⸗ ben, den Schatz der Mutter hatte er zu Gelde gemacht, um Knechte zu werben und die Schäden der letzten Jahre zu beſſern. Dennoch fand er es ſchwer, den al⸗ ten Beſitz, welcher durch die ganze Landſchaft zerſtreut lag und Jahrelang für herrenlos gegolten hatte, wie⸗ der zu gewinnen. Bauern, welche ihm zinspflichtig wa⸗ ren, hatten ſich ſelbſtwillig anderen Herren untergeſtellt, um Schutz für Leben und Habe zu finden, ritterliche Vaſallen weigerten ſich ihre Lehnspflicht zu erfüllen, benachbarte Edle hatten ſich Wälder, Weiden und Wieſen angeeignet, und waren entſchloſſen, ihren Raub mit den Waffen zu behaupten. Viele Grundſtücke waren vor der Kreuzfahrt durch Verpfändung und Leihkauf in andere Hände übergegangen, wo ſollte Ivo die Summen ſchaffen, um das Verpfändete einzulöſen, ſelbſt wenn die Gläu⸗ biger guten Willen hatten es gegen die gezahlte Summe zurückzugeben? Auf allen Seiten fand er ſich in Händel verſtrickt und er empfand, daß er als freier Herr auf ſeinem Erbe viel ſchlimmer daran war als ein großer oder kleiner Vaſall, denn er ſtand allein gegen zahlreiche Feinde. Ohne Hilfe vermochte er ihnen nicht zu widerſte⸗